Die Denialisten – Passivrauchschädenleugner und andere Junk-Science-Junkies

Gibt es eigentlich ein deutsches Wort für das, was die Amerikaner Denialism nennen?

Die einzige Übersetzung, die ein etwa passt, wäre Leugner.

Letztendlich wird unter diesem Begriff die Geisteshaltung des Leugnen, Abwehrens und Angriffs auf eine wissenschaftlichen Theorie oder eine geschichtliche Episode beschreiben, die in irgendeiner Weise nicht mit dem Glauben oder dem Selbstwertgefühl oder der Meinung einer Person oder Gruppe konform geht. Aber anstatt ihre Ansichten der Wirklichkeit anzupassen, wird mit aller Macht versucht, die Wissenschaft ihrer Meinung anzupassen.

Nicht nur die globale Erwärmung ist das Ziel solcher Leugner. Der Holocaust, Evolution, die Schulmedizin oder die Mondlandung, sind immer wieder Ziel von Leugnern, bei einer klitzekleinen, radikalen Minderheit der Raucher ist sogar das Passivrauchen und die daraus resultierenden Gesundheitsschäden  Objekt der Leugnungsgier.

Ihr Hauptmerkmal: Sie leisten keinen produktiven Beitrag, sondern versuchen bewusst die angegriffene Meinung irgendwie schlecht zu machen – mit teilweisen abstrusen und/oder sogar nachweislichen falschen oder gefälschten Daten.

Leider mischen sich auch immer wieder so genannte Experten oder Prominente mit ein.

Und da fängt es an, kriminell zu werden. Solche Leute verwirren das Laienpublikum und verleihen einer Außenseiterposition, die eigentlich keine echte Position ist (wie kann nur dagegen sein, eine Position sein? ), übermäßiges Gewicht. Die Leute fangen an, zu grübeln und unsicher zu werden, wo es dafür keinen objektiven Grund gibt.

Hier müssen sich Wissenschaftler wehren und diese Leute beim Namen nennen: Lügner, Täuscher und Betrüger. Und sie müssen deren Thesen entkräften, damit die Leute auch erkennen, dass sie belogen wurden.

Man wird die Leugner selbst nicht von ihrer Position abbringen können, dazu sind sie zu verbohrt. Ein weiteres Zeichen der Leugner ist fehlende Selbstkritik. Aber man kann wenigstens dafür sorgen, dass diese Leute nicht auch noch ein Forum und noch mehr Aufmerksamkeit kriegen. 

 Anzeichen, woran man einen Leugner erkennt:

1. Keine eigenen Ideen, sondern reine Antithese. (Nein die Verbreitung eines Märchens, das aus einem tausende Jahre altem Buch stammt, ist keine Eigenleistung.)

2. Leugner suchen sich nur die Daten aus, die ihnen ins Konzept passen. Entweder sind die Daten veraltet oder sie greifen sich eine kleine Untergruppe von Daten heraus, die scheinbar ihre Position stützen, und vernachlässigen mal eben die restlichen 95%.

3. Lügen:
Leugner pflegen einen sehr kreativen Umgang mit der Wahrheit und schrecken nicht davor zurück, bewusst zu lügen und zu fälschen. Indem z.B. mal eben Daten weggelassen werden oder sie falsch aufzeichnet werden.

4. Verschwörungstheorie:
Warum sehen die Leugner als einzige die Wahrheit und der überwältigende Rest nicht? Es ist eine Verschwörung, ist doch klar! Die NASA, Regierung, alle nationale Forschungsgesellschaften auf der ganzen Welt oder einfach SIE stecken dahinter. Ach übrigens, an alle finsteren Mächte da draußen: Ich hab bis heute kein Geld gesehen! Bitte melden! Ich kann’s brauchen.

Sorry Leute, aber Menschen klatschen viel zu gerne, als dass irgendetwas lange Zeit geheim bleiben könnte. Je mehr Leute daran beteiligt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das irgendjemand quatscht. Selbst in einem totatilitärem Regime spricht sich die Wahrheit unter der Hand rum. Wieviel schwerer ist das erst in Demokratien und im Zeitalter des Internet, irgendetwas geheim zu halten.

Siehe z.B. aktuell Doping in der Tour de France und Vattenfall.

5. Fehlende Selbstkritik
Die Thesen der Leugner wiederholen sich irgendwann. Selbst wenn jedes einzelne Argument bereits widerlegt wurde, ignorieren das die Leugner einfach und ziehen woanders hin, wo sie von vorne anfangen können. Oder sie erfinden ein völlig neues noch abstruseres Argument.

6. Persönlicher Angriff:
Wenn die Leugner merken, dass sie nicht weiterkommen, gehen sie durchaus schamlos zum Angriff über und versuchen die Reputation oder die Befähigung desjenigen abzusprechen. Dabei bewegen sie sich aber nicht auf der sachlichen Ebene, sondern auf der persönlichen. Im harmlosesten Fall sind die anerkannten Fachleute einfach rückgratlose Feiglinge, die für Forschungsgelder die Beine breit machen.

Ein krasses Beispiel:

EIKE – das so genannte „Europäisches Institut für Klima und Energie“
ist eine der aggressivsten und finanzstärksten Lobbyorganisationen der Industrie. Hinter EIKE stecken die gut organisierten Klimwandelleugner und die Gegner der alternativen Energien.

„Über Eike hat die weit verzweigte und eng vernetzte US-Szene der Klimaskeptiker in Deutschland Fuß gefasst. Denn Eike-Präsident Thuss ist zugleich Gründer von CFACT Europe, dem Ableger des amerikanischen „Committee for a constructive tomorrow“, das 2008 mit fast 600.000 Dollar zu den größten Spendenempfängern des Ölkonzerns ExxonMobil gehörte. Eike selbst erhält Lüdecke zufolge kein Geld von Konzernen. Nachprüfen lässt sich das nicht, denn in Deutschland müssen sogenannte Think-Tanks ihre Geldgeber nicht offenlegen.(…) Gehör verschafft sich Eike auch außerhalb des Netzes – etwa durch Tagungen. So organisierte das Institut zusammen mit der FDP-nahen Naumann-Stiftung Anfang Dezember in Berlin eine „internationale Klima-Tagung“. Hauptredner war Fred Singer, ein pensionierter Meteorologe, der in der Szene derjenigen, die den Klimawandel leugnen, zu den Stars gehört. Singer ist Mitglied von so ziemlich jedem klimaskeptischen Verein, unter anderem des Heartland Institute, einer konservativen Denkfabrik, die in den USA den Ton angibt und seit ein paar Jahren große Konferenzen gegen den Klimawandel organisiert. (…) Weiterer Redner bei Eikes Klimatagung war Lord Monckton, auch er ein Handlungsreisender gegen den Klimawandel. Nach seinem Auftritt in Berlin flog Monckton, der als Berater der früheren Premierministerin Margaret Thatcher Karriere machte, nach Australien – der Kohlekonzern Hancock Prospecting hatte ihn zu einer Vortragsreise eingeladen.“ schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 31.3.2010 Quelle

Und auf  „EIKE“ verweist zum Beispiel auch die  Raucher- und Passivrauchschädenleugner-Minipartei „BMB – Bund mündiger Bürger“.  Das sind die Leugnernetzwerke, die eigentlich  doch Lügnernetzwerke heissen müssten.

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