Vernebelte Debatte: Die Tabaklobby findet immer wieder Wissenschaftler, die mit pseudowissenschaftlichem Schwachsinn den Passivrauch verharmlosen

Ein Prachtstück pseudowissenschaftlichen Dummgeschwätzes lieferte der Autor Alexander S. Kekulé unlängst im Tagesspiegel unter der Überschrift „Vernebelte Debatte“ ab. Kekulé ist Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle.

Schon der erste Satz seines grottenschlechten Elaborats ist eine weit verbreitete Halbwahrheit: „Die Dosis mache das Gift.“ Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), Arzt aus Einsiedeln in der Schweiz, prägte diesen Satz. Die moderne Toxikologie definiert wichtige Ausnahmen von dieser Regel, die Herrn Kekulé zur Kenntnis nehmen sollte.

Eine Ausnahme von dieser Regel stellen die genverändernden Stoffe dar, da bei ihnen theoretisch schon ein Molekül ausreichen kann, eine Zelle entarten und damit einen Tumor entstehen zu lassen. Es ist daher umstritten, ob für diese Substanzen eine Wirkungsschwelle angegeben werden sollte. Eine weitere Ausnahme von dieser Regel bilden die Allergene, auch hier reicht theoretisch ein einziges Molekül aus, eine allergische Reaktion auszulösen. – Von den allergischen Reaktionen zu trennen sind die stofflichen Unverträglichkeiten (z. B. Lebensmittel oder Medikamente), bei denen das Dosis/Wirkungsprinzip gilt.

Als Ausnahme gelten bestimmte krebserzeugende Stoffe (sog. genotoxische Kanzerogene) sowie erbgutverändernde Stoffe (sog. Mutagene). Für diese Stoffe kann einer von Wissenschaft und Gesellschaft weitgehend akzeptierten Konvention folgend kein gesundheitlich begründbarer Grenzwert, in der Regel aber ein technischer Richt- oder Grenzwert definiert werden. Ziel eines solchen Wertes ist es, die gesundheitlichen Risiken auf ein gesellschaftlich akzeptiertes Maß zu reduzieren.

Für den Giftqualm aus Tabakabbrand sind diese beiden Ausnahmen voll zutreffend, denn er enthält sowohl Kanzerogene in nicht unwesentlichen Konzentrationen und zudem Allergene.

Dass Zigarettenrauch in geringer Konzentration nicht sofort tödlich ist, sollte jedem klar sein. Mich nervt es, dass ich nach einem Abend in einer Kneipe, in der geraucht wird, stinke wie ein Räucherschinken, meine Kontaklinsen so geteert sind, dass ich sie unangenehm im Auges spüre und – wenn die Luft am Abend besonders blau geräuchert war – ich morgens hustend mit einem Brummschädel aufwache. Für diese Erkenntnis brauche keine wissenschaftliche Expertise.

Zum Kekulé Vergleich mit den Autoabgasen und dem Alkohol: Die Biere meines Tischnachbarn laufen nun mal nicht durch meine Leber und eine Welt ohne Straßenverkehr ist im 21. Jahrhundert realistisch betrachtet nicht machbar. Dass ein Raucher mal kurz vor die Tür geht, allerdings schon.

Kekulé kokettiert mit den typischen verlogenen Raucherargumenten. Wenn sich der Qualm angeblich durch eine tolle Ventilation so leicht beseitigen liesse, wieso haben es dann die Lokalbesitzer nicht gemacht?

Ganz einfach: Weil Lüftungsanlagen die Schadstoffe aus dem Tabakabbrand nicht beseitigen können. In Bayern wurden die Schadstoffe in Gastronomischen Betrieben, die über Lüftungsanlagen verfügten, gemessen.
Man beachte das Fazit!
http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/umweltmedizin/tabakrauchbelastung.htm
Ein Handeln im Sinne eines umfassenden und konsequenten Schutzes nicht rauchender Gäste und des Personals ist auf Grundlage dieser Daten dringend geboten.

Dass Studien bisher nur die Passivraucher unter Extrembedingungen beinhaltet hatten, ist, mit Verlaub, totaler Schwachsinn. Kekulé hat die DKFZ-Studie nicht einmal ansatzweise verstanden, was daran liegen mag, das er sie schlichtweg nicht gelesen hat.

Von der Belaestigung und Einschraenkung der Freiheitsrechte ganz zu schweigen. Die Raucher können ja trotzdem rauchen. Nur eben dort wo sie niemanden damit belaestigen oder schädigen.

Auch verkennt der Autor, dass nicht nur Gelegenheitsraucher weniger rauchen sondern auch Kettenraucher. Denn man kann halt nicht einfach die Nacht in der Kneipe durchqualmen sondern muss fuer jede Kippe ‚raus gehen. Die Behauptung den Kneipiers wuerden die Gaeste weglaufen ist ebenso absurd. Sehr viel mehr Leute wuerden auf ein Feierabendbier gehen, wenn sie danach den Anzug nicht in die Reinigung bringen muessten.

So ganz nimmt der Autor es auch mit der Wahrheit nicht genau, wenn er behauptet lauter Musik im Hinterhof wuerde mehr Toleranz entgegen gebracht, schliessilich gibt es Ruhezeiten und Laermvorschriften. Mich wuerde es reisig freuen wenn zu den Ruhezeiten meine rauchenden Nachbarn nicht mehr lueften duerften, dass ich von diesem abgestandenen Mief zur Bettzeit befreit wäre.

Und bezueglich der Schaedlichkeit bei begrenzten Konzentrationen soll er doch bitte Zahlen vorlegen. Mir scheint sein Argument verwunderlich, denn Autos haben Katalysatoren und es gibt strikte Vorschriften, die es fuer Zigarettenqualm nicht gibt.

Und wenn er Zigarettenqualm gerne richt: Bitte, soll er dran schnueffeln, der Herr Kekulé. Loesungsmittel und verbleites Benzin sollen angeblich auch toll riechen und richtig in der Birne knallen, auch daran kann dich der Herr Kekulé gerne ergötzen, aber ohne es mir aufzuzwingen.

Bereits 2007 schrieb Alexander S. Kekulé einen sinngleiche Artiklel im Tagessspiegel mit der Überschrift „Tabakqualm? Ein ganz normaler Schadstoff – Wie ein medizinisch sinnvolles Rauchverbot aussehen könnte“.

Und schon damals wusste Kekulé nicht, dass MAK-Werte nur für reine Stoffe gelten und Tabakrauch ein Stoffgemisch aus ca. 4.000 Substanzen ist. Darüber hinaus gibt es für krebserzeugende Stoffe, und Tabakrauch enthält über 50, überhaupt keine Grenzwerte.

Fazit:

1. Die Tabakindustrie hatte schon profiliertere Fürsprecher!

2. Der Herr Kekulé hat seit 2007 nichts dazu gelernt.

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