Wenn Qualmfanatiker nicht richtig nachdenken…

…weil die Sucht das Denken erschwert oder gar unmöglich macht, kommt immer wieder ein kaum mehr zu steigernden textlicher Blödsinn heraus. Die solcherart erreichten Dimensionen des Raucherstuss führen dann dazu, dass der normale Leser bei der Rezeption kaum zum zügigen Lesen kommt, weil man sich dauernd die Hand vor den Augen hält und erst nach einer Kopfschmerztabelle suchen muss, bevor man weiterlesen kann. Ein Autor namens Thomas Exner hat jüngst wieder eine derartige Ausarbeitung abgeliefert, welche in die Kategorie „Raucherblödsinn par excellence“ fällt. Schauen wir uns doch einmal an, was er vorzutragen hat.

Vorab: Der Mann ist, man vermutet es, Raucher. Und als solch ein regelmäßiger Konsument der schwer süchtig machenden Droge Tabak, hat er selbstverständlich auch eine Meinung zu den von der EU geplanten Einschränkungen was die Produktion und den Vertrieb seiner geliebten Krebsstängel betrifft. Diese trägt in einem Artikel der „WELT“ vor.

Er meint darin einleitend, überdies in einer fast kaum mehr zu verkennenden Verzerrungswahrnehmung der Sachlage, es stünde dem Staat (hier repräsentiert durch die EU-Kommission) nicht zu, zur „Bekämpfung des Rauchens nun ganze Produktarten zu verbieten“:

Thomas Exner hat geschrieben:Die EU will zur Bekämpfung des Rauchens nun ganze Produktarten verbieten. Natürlich nur zum Wohle des Menschen. Doch damit sind die Grenzen staatlichen Wirkens eindeutig überschritten.

Wenn ich so einen Stuss zu lesen das (in der Tat zweifelhafte) Vergnügen habe, frage ich mich, was Leute wie dieser Herr Exner eigentlich von unserer Gesellschaft und unserem Staatswesen verstehen, insbesondere was die Möglichkeiten des Gesetzgebers betrifft, gestaltend das Inverkehrbringen gefährlicher Stoffe zu reglementieren. Mal ganz abgesehen von der formalen Ausgangssituation, dass die EU-Kommission sowieso nur Vorschläge unterbreiten kann, die dann von den einzelnen Mitgliedsstaaten in einem parlamentarischen Verfahren in national geltendes Recht überführt werden müssen, muss man natürlich schon fragen, warum Leute wie dieser Herr Exner nun plötzlich ein Problem damit haben, dass, wie er schreibt „eine ganze Produktart aus dem Verkehr“ gezogen werden soll.

Bei anderen gefährlichen Dingen ist derlei schon seit Jahren und Jahrzehnten üblich. Man kann beispielsweise in keinem Land der EU Cannabisprodukte legal erwerben (nein, auch in den Niederlanden nicht, dort ist der Handel mit dem überaus beliebten „Dope“ ebenfalls ein Straftatbestand, der aber fallweise nicht verfolgt wird). Und auch für andere Drogen wie Kokain, Heroin, Extasy etc. nehmen sich die Staaten der EU (wie andere Staaten weltweit ebenso) wie selbstverständlich das Recht heraus, deren Handel zu verbieten und mit entsprechenden Strafen zu sanktionieren. Ähnliches gilt übrigens für Waffen, bestimmte Chemikalien, Arzneimittel usw. usf.

Warum soll also ausgerechnet für die Droge Tabak eine Ausnahme gelten? Warum soll, wie Exner schreibt, der Staat (respektive die EU mit ihren Vorschlägen) hier seine bzw. ihre Kompetenzen überschritten haben?

Thomas Exner hat geschrieben:Am Ende bleibt wohl eher eine Einheitszigarette, die in ihrer dann vorgeschriebenen Verkaufsoptik eher an Insektengift denn an ein Genussmittel erinnern dürfte.

Der Vergleich mit „Insektengift“ ist, wie ich finde, gar nicht so unpassend. Schließlich ist Tabakrauch eine hochtoxische Substanz. Durch die Folgen dieses Tabakkonsums kommen jedes Jahr in der gesamten EU nämlich einige Millionen Menschen ums Leben. Warum der Gesetzgeber nun hier plötzlich keinerlei Einschränkungen festlegen können soll, was den Handel mit dieser extrem gefährlichen Substanz (bzw. mit dem zur Verbrennung und Inhalation geeigneten Ausgangsstoff) betrifft, diese Antwort bleibt Exner leider schuldig. Auch hier wieder ein klarer Belege dafür, dass inhalatives Tabakrauchen zu einem nicht ganz unerheblichen Kognitionsdefizit zu führen scheint.

Thomas Exner hat geschrieben:Ist doch richtig, mag man denken. Schließlich ist die schädliche Wirkung von Nikotin unbestritten.

Gut, die allerhellste Kerze auf der sprichwörtlichen Torte scheint Thomas Exner wirklich nicht zu sein. Denn dann wüsste er, dass das Alkaloid Nikotin per se keine besonders schädliche Substanz ist, zumindest in den vergleichsweise geringen Dosen, die beim Rauchen inkorporiert werden. Aber die ca. 200 Giftstoffe und bis zu 70 nachgewiesenen Kanzerogene, die beim Abbrennen des Tabaks entstehen, sind es hingegen schon. Man muss allerdings als Raucher ja auch nicht unbedingt Ahnung haben, von dem, was man da raucht…

Thomas Exner hat geschrieben:Denn es geht um mehr als den blauen Dunst. Es geht um die Entgrenzung staatlichen Wirkens. Es geht um die Freiheit eines jeden – nicht im romantischen Sinne qualmender Cowboys wie sie früher in Werbespots der Tabakindustrie zu sehen waren, sondern um die ganz konkrete Freiheit, selbst über sein Leben, seinen Konsum und auch die Risiken, die man bereit ist einzugehen, zu entscheiden.

Gerne, Herr Exner, dann aber bitte konsequent: Vollkommene Freigabe aller Arten von Drogen, Aufheben der Rezeptpflicht für ausnahmslos alle Medikamente und freie Handelbarkeit derselben. Dazu bitte alle Arten von Chemikalien bitte im Internet frei bestellbar. Das wäre in der Tat die „ultimative Freiheit“. Ach ja, bevor ich es vergessen sollte: Waffen dann bitte auch im Baumarkt für alle Interessierten verfügbar, schließlich haben auch potenzielle Selbstmörder das unveräußerliche Recht, statt mit dem Regionalexpress ihrem Leben durch einen Kopfschuss ein Ende zu setzen. Und falls ein Waffenerwerber mal in Einzelfällen nicht sich selbst sondern seinen Nachbarn umlegt, verbuchen wir das eben als „Kollateralschaden der Freiheit“!

Thomas Exner hat geschrieben:Diesmal möchte die Politik die Raucher vor sich selbst schützen. Nicht etwa durch Aufklärung, was akzeptabel und sogar wünschenswert ist. Sondern durch Verbote und Diskriminierung.

Ich finde es imemr wieder sehr erheiternd, wie diese Suchtraucher mit einigen wenigen Standardvokabeln versuchen, so etwas wie eine „Argumentation“ auf die Beine zu stellen. „Diskriminierung“ ist eines dieser immer wieder gerne verwendeten Sprachelemente. Frage: Warum wird eigentlich jemand „diskriminiert“ der beim Erwerb seiner Drogen gewisse Einschränkungen erfährt? Diskriminierung bezieht sich in aller Regel auf das Vorenthalten von Möglichkeiten, im Leben bestimmte Dinge zu erreichen und Chancen wahrzunehmen. Ob ein Bronchialkarzinom in die Kategorie „Lebenschancen“ fällt, daran habe ich jedoch nicht ganz unerhebliche Zweifel.

Und zum Ende des Textes hin wird, wie bei Nikotinsüchtigen üblich, die Trommel „die nächsten Verbote sind bereits am Start“ gerührt:

Thomas Exner hat geschrieben:Denn dann ließe sich irgendwann vielleicht auch die Frage stellen, ob beispielsweise bewusste Kinderlosigkeit von Paaren nicht ebenfalls zu bekämpfen wäre.

Denn auch die chinesische Ein-Kind-Politik, die zweifellos ein tiefer Eingriff in die Menschenrechte ist, legitimiert sich allein durch die Vorstellung, dass eine Partei, die in diesem Fall mit dem Staat weitgehend identisch ist, besser über falsch und richtig entscheiden kann als das Individuum. Eine zutiefst antidemokratische Vorstellung.

Herr Exner, ich weiß nicht, ob Sie das wussten, aber wir leben hier nicht in China und haben daher eine Verfassung die, auch wenn Sie das anders sehen werden, durchaus die Handlungsfreiheit des Individuums garantiert. Nur eben nicht gegenüber allem und jedem. Und Drogenkonsum ist nun einmal nicht Privatsache sondern ein schweres gesellschaftliches Problem.

Quelle:Forum.Raucherwahnsinn.de