Raucher, Freiheit und die Schockbilder

Frau Angelika Slavik lädt in der Süddeutschen Zeitung ihren Raucherfrust über die Schockbilder auf Zigarettenpackungen ab. 

Dabei scheint es so, als habe die gute Frau zu viel Zigarettenwerbung gesehen. Da steht auch auf jedem zweiten Plakat das Wort „frei“. Und ich wundere mich immer wieder, wie man eine Drogensucht mit „frei sein“ in Verbindung bringen kann.

Nur so am Rande, Frau Slavik:  Diese Bilder dienen dem Schutz von Kindern! Die kommen dadurch vielleicht doch auf den Gedanken, daß Rauchen auch andere Folgen als vermeintliche „Coolness“ hat und fangen erst damit gar nicht erst an.

Das Problem dabei ist: Diese Denkweise missachtet völlig, dass zur Freiheit des Einzelnen eben auch gehört, Entscheidungen treffen zu dürfen, die nicht vernünftig sind.

Nehmen wir z.B. eine rote Ampel. Das Überqueren einer roten Ampel ist grundsätzlich verboten und wird – bei Beobachtung – durchaus sanktioniert. Der Argumentation des Artikelautors folgend – zur Freiheit des Eizelnen gehört es, auch unvernünftige Entscheidungen zu treffen – müßten wir derartiges unvernünftiges Verhalten grundsätzlich also tolerieren. Folglich müßten wir also das Überqueren von roten Ampel für Fußgänger erlauben. Gemäß dieser Devise könnten wir da natürlich nicht aufhören: Ebenso müßten wir das Überfahren von Stopp-Schildern durch Autofahrer erlauben, genauso das Einfahren in Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung, und natürlich auch das Überfahren roter Ampeln durch Autofahrer. Es geht ja um die Freiheit des Einzelnen. Seltsamerweise hat noch kein einziger in diesem Land die Idee gehabt, den Freiheitsbegriff dahingehend auszulegen. Warum nicht?

Die Antwort ist sehr einfach: Weil das Argument Blödsinn ist. Freiheit ist die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen bestimmten Möglichkeiten zu Entscheiden. Die Vorgabe, diese Möglichkeiten müßten auch grundsätzlich widersinnig sein dürfen, ist Blödsinn. Welche Möglichkeiten zur Auswahl stehen ist eine Frage des gesellschaftlichen Konsens. Und dieser wird (weitgehend) nach sorgfältiger Abwägung getroffen. Die Kriterien sind einfach: Es soll anderen kein Schaden zugefügt werden und auch der eigenen Person nicht. Dort, wo letzteres Möglich ist, läßt man die Möglichkeiten dennoch zu, wenn zu erwarten ist, dass die Entscheidungen verantwortungsvoll getroffen werden. Wo dies offenkundig nicht der Fall ist, oder aus Erfahrung entsprechender Zweifel angebracht ist, darf auch eine solche Möglichkeit sanktioniert werden.

Nun handelt es sich bei Bildern auf Zigarettenpackungen aber noch nicht mal um eine Sanktionierung. Daher ist die Beschwerde der Frau Slavik schon grundsätzlich unsinnig: Sie darf nach Lust und Laune weiter rauchen. Allerdings muss  sie sich womöglich in Zukunft durch diese Bilder mit der Realität konfrontieren lassen. Genau das gehört zum verantwortungsvollen Umgang auch dazu: Wenn man sich schon gefährdet – und das ist beim Rauchen evident – muss man bereit sein, sich dieser Realität auch zu stellen. Das gehört zum Erwachsensein dazu.

Kaum geht es um Ihre Drogen mutieren Nikotinabhängige zu Freiheitskennern.
Es ist schon bedenklich wie inflationär dieses Wort benutzt wird, ohne dass die Menschen sich nur Ansatzweise dazu Gedanken machen. Um welche Freiheit geht es hier, die des Rauchers oder des Rauchgeschädigten? Geht es hier wirklich um Freiheit? Immerhin sprechen wir hier von Drogen, also der materialisierten Antifreiheit. Wie frei ist ein Abhängiger? Wie frei war er, als er sich in die Abhängigkeit begab? Die Abhängigkeit führt dazu, dass die Menschen sich selbst belügen. Sie meinen zu den wenigen Prozent zu gehören, denen das Rauchen nicht schaden wird und nicht zu der Mehrheit die daran auf die eine oder andere Weise eingehen wird. Was ist also an der durch Abhängigkeit bedingten Selbstlüge Frei?
Wenn diese Menschen „Idioten“ sind, dann ist es erst recht die Pflicht des Staates diesen Menschen immer wieder zu zeigen, was passieren wird. Vielleicht steigt damit die Chance diese Menschen vor der eigenen Dummheit zu retten.
Noch so eine Sache: Wie frei kann ein Dummer Mensch sein? Wie frei kann eine Entscheidung sein, wenn man sich der Konsequenzen nicht mal Ansatzweise bewusst ist?

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